Erfahrungsberichte
Magenband - Nicht immer ein Selbstläufer
Nach einer Magenbandoperation ist Mitarbeit und Selbstverantwortung gefragt!
Immer wieder vermitteln mir einzelne Gesprächspartner den Eindruck, als sehen sie die Magenbandoperation als Möglichkeit "leicht und locker" das Wunschgewicht zu erreichen. Das Magenband ist für stark Übergewichtige sicher eine Möglichkeit, erfolgreich abzunehmen. Dennoch muss diese Maßnahme mit einer gewissen Eigendisziplin und Willenskraft verbunden sein. Fakt ist, dass ein optimales Ergebnis nur im Zusammenspiel zwischen Operation und konsequenter Umstellung der falschen Essgewohnheiten erreicht wird. Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt wird meiner Ansicht nach von vielen Betroffenen ebenfalls unterschätzt:
Nach der Operation muss zumindest ein Mal im Jahr die Position und Funktion des Magenbandes kontrolliert werden. Häufig wird diese Maßnahme vernachlässigt. Der hier beschriebene Fall dokumentiert die Konsequenzen auf eindrucksvolle Weise:
(Auf Wunsch des Betroffenen haben wir den Namen durch einen einzelnen Buchstaben gekürzt)
Die Entscheidung für eine Operation hat sich T. nicht leicht gemacht. Obwohl der damals 30jährige bereits ein Gewicht von 187 Kg auf die Waage brachte (Körpergröße 181 cm) fürchtete er, sich dennoch vor der Operation und der Narkose.
Nach einem abgesagten Operationstermin in der Kölner Uni-Klinik ließ er sich 2002 das so genannte "Schwedenband" in einer ca. 4 Stunden dauernden Operation dann doch legen. Dieser Eingriff wurde im vollen Umfang durch die private Krankenvollversicherung bezahlt.
10 Tage blieb er daraufhin in der Klinik und erholte sich relativ schnell vom Eingriff. Durch das Magenband fand eine starke Reduzierung der Nahrungsmenge statt. Ein Essen im gewohnten Tempo hatte zur Folge, dass T. sich sofort übergeben musste. Somit wurde auch die Essgeschwindigkeit verlangsamt. Schnell zeigten sich erste Erfolge und bis Mitte 2005 erreichte T. eine Gewichtsreduzierung von 67 Kilogramm.
Dann kam der Bruch.
Relativ schnell stellte T. fest, dass er wieder die alte Portionsgröße essen konnte. Das Magenband hatte plötzlich aus einem für ihn nicht nachzuvollziehenden Grund keinerlei einschränkende Funktion mehr. Relativ schnell legte T. wieder an Gewicht zu und kam mit einem Körpergewicht von 156 Kg zu mir. Bei diesem Gespräch zeigte sich schon sehr früh, dass T. nach der Operation das Thema Nachsorge stark vernachlässigt hatte. So setzt der Einsatz des Magenbandes eine intensive Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patienten voraus. Durch einen so genannten Port wird durch Ein- und Abführen von Salzwasserlösung die restriktive Wirkung des Bandes entweder verstärkt oder reduziert.
Gemeinsam mit dem Chirurgen wird nach genauer Prüfung des aktuellen Essverhaltens diese Maßnahme durchgeführt. T. hatte nach dem Einsetzen des Magenbandes und der ersten "Standardbefüllung" keinen einzigen dieser Termine durchgeführt. T. schilderte mir, dass er hierfür gar keine Notwendigkeit sah. Zu groß waren die Erfolge und durch die ständige Gewichtsreduzierung fühlte er sich bestätigt.
Nun, da das Magenband den eigentlichen Zweck nicht mehr zu erfüllen schien, riet ich ihm dringend einen Spezialisten hinzuzuziehen.
Gemeinsam mit T. fuhren wir im Frühjahr 2009 zu Prof. Dr. Senner von der RS Klinik in München. Senner war mir durch die Buchrecherche bekannt und für mich einer der Spezialisten auf diesem Gebiet. Bei der Kontrolle des Magenbandes stellte sich schnell heraus, dass dieses fast keine Salzwasserlösung mehr enthielt. Ein Befüllungsversuch musste nach mehrmaligen Versuchen abgebrochen werden, da der Patient jedes Mal beim Einfüllen der Lösung extreme Schmerzen hatte. Fest stand weiterhin, dass sich das Band nicht mehr an der ursprünglich vorgesehenen Position befand. Somit auch keinerlei Wirkung mehr erzielen konnte.
Im Sommer 2010 unterzog sich T. einer weiteren Operation. Im Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen entfernte Prof. Büsing das alte Magenband und führte eine so genannte Schlauchmagenanlage (Sleeve-Resektion) durch. Nach nur vier Tagen konnte T das Krankenhaus wieder verlassen. Die Gewichtsreduktion seit diesem Eingriff beträgt aktuell 50 Kilogramm mit weiterer Tendenz zum Normalgewicht.
